Üblicherweise knallen ja immer die Korken, wenn die Kinder geboren werden - wenn sie älter werden, ist der Übergang ins Berufsleben nur ein Schritt auf einem langen Lebensweg.
Bei uns knallen heute die Korken, weil Florian seine Aufnahmeprüfung bei der Lufthansa geschafft hat.
Hinter ihm liegt ein steiniger Weg voller Mühsale und nicht ohne Rückschläge. Bereits 2005 hatte er sich bei der Lufthansa für eine Ausbildung als Pilot beworben und war in einem dreistufigen Auswahlverfahren in der Endrunde an einer Psychologin gescheitert.
Er hielt aber an seinem Kindheitstraum fest, und wir haben eine private Pilotenausbildung bei TFC-Käufer organisiert.
Die hat er in einem Eilmarsch durchgezogen. Er begann im August 2006 mit der Privatpilotenlizenz, dann ab November mit der Verkehrspilotenlizenz und konnte bereits im Juli 2007 die theoretische Prüfung beim Luftfahrtbundesamt ablegen. Die war der Hammer!
In der Vorbereitung darauf mussten 24.000 Fragen durchgeackert werden. Die Prüfung selbst erstreckte sich auf 3 Tage mit je vier Prüfungen. Alle Prüflinge haben als Mindestziel, wenigstens 7 Prüfungen zu bestehen, um die restlichen 5 nachprüfen zu können - ansonsten müssen alle 12 im zweiten Anlauf bestanden werden.
Florian hat eine Superleistung hingelegt und alle 12 Prüfungen auf Anhieb bestanden! Mein Gott - waren wir damals alle stolz....
Die anschließende praktische Ausbildung hat er auch in kürzester Zeit geschafft und ist seit März 2008 im Besitz der Verkehrspilotenlizenz (ATPL).
Als Entry-Ready-Bewerber hatte er nun wiederum eine dreistufige Auswahlprozedur zu durchlaufen, die er heute erfolgreich abschloss.
Unsere Freude und unser Stolz ist riesig. Nun ist ein Pilotensitz in einem großen Verkehrsflieger in greifbare Nähe gerückt.
Ich habe noch genau vor Augen, wie der kleine Knirps Anfang der neunziger Jahre bei einem Mühlenfest in der Oberlausitz eine gelbe tschechische Ackerhummel bestaunte und festlegte, er würde auch Pilot werden. Das war so apodiktisch, dass nie daran ein Zweifel blieb.
Nun ist es so weit... Herzlichen Glückwunsch :-)
Nachtrag 8. September 2008:
Seit Juli ist Florian nun bei einer Tochtergesellschaft im Lufthansa-Konzern und fliegt A319/A320/A321. Nach der mehrwöchigen Ausbildung auf diesem Flugmuster hebt er morgen erstmals wirklich ab. Hier kann man sich das Cockpit einer A320 detailliert anschauen. Das Panorama (hier eines A380 weil es so schön ist) ist noch beeindruckender.
Nachtrag 11.09.2008:
Es war für mich ein Erlebnis der besonderern Art - mein Junge fliegt eine solche Kiste... In diesem Moment gab es wohl keinen stolzeren Papa der Welt.
Besonders bewegend fand ich, dass er bei allem Stress - und wir Laien können nicht im geringsten nachvollziehen, was für ein Workload im Cockpit besteht - beim Abflug nach Köln mit den Tragflächen gewackelt hat. Ein Fliegergruß an den gerührten Papa...
Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, dieses Ereignis zu dokumentieren.
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Der Auftakt war etwas überstürzt - auf der Fahrt nach Paderborn bekam ich die Information, dass das Landetraining eine Stunde vorverlegt wird - ich bin gefahren wie der Teufel und muss wohl bei den Verkehrsgöttern Abbitte leisten.
Noch auf der Suche nach einem geeigneten Standort habe ich im Rücken das Gefühl gehabt, jetzt kommt er. Im letzen Moment habe ich noch die Kamera auspacken können. Und tatsächlich, wie sich herausstellte war er es wirklich.
Nach dem Anflug bestand das Landetraining aus 10 Platzrunden, Landungen und Durchstarts.
Ab nächste Woche wird er dann im Liniendienst eingesetzt und die Ausbildung geht zu Ende. Mit dem dann einsetzenden Pilotenalltag ist der große Kindheitstraum Wirklichkeit geworden.
Im Nachhinein hört sich das alles wie im Märchen an. Gut, dass wir gerade bei den für unsere Verhältnisse unglaublichen finanziellen Entscheidungen nicht genau gewusst haben, wie hoch die zu nehmenden Hürden sind und wie rechnerisch klein eigentlich die Chancen wirklich sind.